Karoline
W E Y E R


Um 1913. Hinten v.l.: Heinrich, Friederike, Adam, Wilhelm, Wilhelm Braas
vorne v.l.: Frieda, Großmutter Karoline Weyer, Martha Braas mit Siegfried

Bericht von Marie Braas, Jan. 2004;
ihre beiden älteren Geschwister Frieda und Siegfried
sind auf dem obigen Bild zu sehen. Marie starb 2014.

Karoline Johanna Weyer
geb. Breitenbach

* 22.12.1851
18.02.1934

Frau von Adam Weyer

Großmutter Karoline Weyer
geb. Breitenbach (genannt Wase)

Bericht von Marie Braas, Jan. 2004; ihre beiden älteren Geschwister Frieda und Siegfried sind auf dem obigen Bild zu sehen. Marie starb 2014.

Großmutter lebte bei unserer Tante, die in Weidenau mit ihrem Kollegen Lehrer Fritz an der Hilfsschule Lehrerin war. Sie war in Weidenau eine Persönlichkeit, wie man oft nach ihrem Tod hörte. Wir wurden als Kinder 10, 11 Jahre alt, schon überall nach Beschreibung hingeschickt: vor de Haardt, bei Otterbachs Steinmetz Brot holen, der Klavierlehrerin Noten zurückbringen, sie wohnte in der Hagener Straße, Waldrichs gegenüber. Ich habe oft Passanten gefragt, sie hat uns überfordert. Timpe Friedchen, die sich zur Buchhändlerin emporgearbeitet hatte, fing mit einer Leihbibliothek an. Sie wohnte nicht so weit von der Tante. Dort mussten wir Bücher holen. Später, als Timpe Friedchen eine eigene Buchhandlung besaß und ich im Laden war, wurde ich immer mit Fräulein Weyer angeredet. Ich sagte mal zu ihr „ich schreibe mich Braas“ darauf sie: „ach watt, for mich sinn Sie det Frl. Weyer“.

Wenn Großmutter Geburtstag hatte, bekamen meine Schwester Gretchen und ich immer frei, wir hatten 2 x nachmittags Unterricht, einmal Handarbeit und einmal Gesang und Zeichnen. Wir gingen zu Fuß nach Weidenau, Siegstraße 74. Es gab schmackhafte Kuchen: Königskuchen (thronte in der Mitte) Gewürzkuchen, Apfelkuchen und Rosinenkrengel von Schäfers in der Engsbach.

Großmutter war sehr stolz auf ihre Kinder. 1908 heirateten meine Eltern. Der älteste Sohn, Weyers Onkel Heinrich, hatte in Ragnit (Ostpreußen) eine Anstellung als Kreiswiesenbaumeister (in Siegen gab es damals die in ganz Deutschland einmalige Wiesenbauschule am Häusling). Er ließ seinen Bruder studieren (Dr. Wilhelm Weyer, Studienrat). 1908 wurde er Reserve-Offizier und musste seinen Familienstand darlegen. Da nun seine Schwester Frieda (eigentlich Friederike) in Siegen bei vornehmen Leuten „Dienstmagd“ war (so hieß es damals), passte das nicht und er fragte sie, ob sie nicht Lehrerin werden wolle, „ja gerne!“

Onkel Heinrich ist leider am Anfang des Krieges gefallen. Ich muss noch erwähnen, die Tante wurde in Kaiserswerth ausgebildet. Sie ist leider früh verstorben, im 46. Lebensjahr. Als sie krank wurde, kam die Großmutter in unsere Familie nach Dreisbach. Sie war schon verwirrt, und das wurde schlimmer. Ich wurde als Kind in die Stube gesetzt, um auf Großmutter aufzupassen, sie wollte immer „nach Hause“, das war ihr Elternhaus – Breitenbachs.

Einmal ist es ihr gelungen: Treppe runter im „alten Haus“, Siegfrieds Werkstatt, dann über die Nähmaschine durchs Fenster, auf und davon (mit 82 Jahren!). Große Entrüstung: Großmutter ist fort. Ich wurde losgeschickt, sie stand bei Breitenbachs im Flur, verhandelte mit dem Opa, aber mit mir ging sie nicht. „Du kläng verdorwe Denge, ech wedder, ech sahdert werrer de Lehrer“, mit erhobenem Zeigefinger. Siegfried musste kommen (er war ihr Liebling), mit ihm ging sie zurück.

In der Schule war der Schulrat gekommen. Der Lehrer schrieb Rechenaufgaben an die Tafel, eine hat er ausgerechnet, und zwar falsch. Da ruft die Karoline „Herr Lehrer, das ist falsch“. Sie musste nach vorne kommen und rechnen, und zwar richtig.

Abends im Dorf kommen während des Krieges die älteren Männer zusammen und tauschen Neuigkeiten aus. Da sagt einer: „Ho hätt det Wase Kalinche dem Lehrer det Reche geloort“. Großmutter hat mal die Äußerung getan (1870!!): Ech woll jo och watt lern, awwer ech hatte en Stefmoorer (Stiefmutter). Ihre Mutter war früh verstorben und es kamen nach einer neuen Heirat noch kleinere Geschwister, für die sie mit zuständig war. Sie war immer in ihrer Jugendzeit, so hörte ich sie mal sagen: Karlche, Wilhelmche, kommt deckt ouw schör zo.

Am 1.9.39 brach der Krieg aus. Sechs verlorene Jahre. Danach kam Onkel Wilhelm Weyer zu uns. Er und Tante Maria waren aus Schlesien geflüchtet. Tante Maria war im Pfarrhaus Pöhlmann. Onkel Wilhelm bekam am Löhrtor-Gymnasium als Studienrat eine Anstellung. Er wohnte zwei Jahre bei uns. Als eine Wohnung in Siegen bereit war, kam auch Maria.

(c) www.weyer.de.com · Letzte Änderung: 25. Januar 2020