Wilhelm
W E Y E R

Zeitschriften-Artikel
aus: Siegerländer Heimatkalender 1972, S. 46ff

Eifriger Förderer der Siegerländer Heimatforschung
Im Alter von 80 Jahren starb Studienrat i. R. Dr. Wilhelm Weyer in Berlin

Am 28. Februar 1971 hat der bekannte Siegerländer Heimatforscher und Pädagoge Studienrat i. R. Dr. Wilhelm Weyer in Berlin sein Leben vollendet. Der berufliche Werdegang und der wechselvolle Lebensweg führten den Verstorbenen immer wieder in die Fremde. Nach dem 2. Weltkrieg konnte Dr. Weyer, der seine Heimat so sehr liebte und ihr stets

treu verbunden blieb, noch zehn Jahre am Städtischen Gymnasium in Siegen unterrichten, nach dem er vorher in Homberg (Bez. Kassel), Laasphe, Siegen und Sprottau (Schles.) tätig war, von wo er und seine Familie 1945 als Flüchtlinge aufbrechen mußten. Er fand mit seinen Lieben Aufnahme im Pfarrhaus Wassermungenau (Mfrk.) und vertrat dort die im Kriegsdienst stehenden Volksschullehrer, anschließend in Schwabach die am Gymnasium fehlenden Lehrkräfte.

Bei seiner Rückkehr nach Siegen
übernahm er neben seiner pädagogischen Tätigkeit die Leitung des Stadtarchivs, der städtischen Büchereien und des Museums bis zum Jahre 1949. Diese Aufgaben erfüllte er als Freund des im Jahre 1941 verstorbenen Vorgängers Dr. Hans Kruse mit ganzer Hingabe. Eiserne Selbstdisziplin, Güte und ein Herz für die Schwächsten seiner ihm Anvertrauten machten ihn zum Vorbild eines „modernen“ Lehrers, von dem einer seiner begabtesten Schüler bekannte: „Er hat mir mehr vermittelt als bloßes Sachwissen: er ist auch nach der Schulzeit der Lehrer geblieben, dessen tiefe religiöse Bindung und dessen unbestechliche Fragen nach der Wahrheit mir vorbildlich waren.“ Schöner konnte ihm kaum ein Denkmal gesetzt werden.
Bereits im Jahre 1924 hat Dr. Weyer, der damals in Laasphe wohnte, in der Festschrift „Siegen und das Siegerland“ einen grundlegenden Beitrag über die mundartliche Dichtung des Siegerlandes veröffentlicht. Unter dem Titel „Laasphe und das obere Lahntal“ behandelte er im folgenden Jahr die Grafschaft Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein in Vergangenheit und Gegenwart.
Schon bei seiner Promotion
1927 an der Universität Marburg, wo der am 15. Januar 1891 in Dreis-Tiefenbach geborene Wilhelm Weyer Germanistik, Geschichte und Religion studierte, hatte der Doktorarbeit ein Wittgensteiner Geschichtsthema zugrunde gelegen. Durch gründliche Benutzung zahlreicher archivalischer Quellen hebt sich – wie Dr. Güthling anläßlich des 80. Geburtstages von Dr. Weyer schrieb – auch der Beitrag heraus, den der damalige Altersjubilar

1961 zur Geschichte der so weitgehend mit dem Siegerland verbundenen Familie Flender geliefert hat.
Auf eigenes Erleben und auf die heimische Überlieferung griff Dr. Weyer in beispielhafter Weise für seine im Jahre 1963 in der Reihe der "Siegerländer Beiträge zur Geschichte und Landeskunde" herausgekommenen Schrift „Leben und Gebräuche im Netpherland um 1900" zurück. Mit der Vergangenheit seiner Heimat beschäftigte sich Wilhelm Weyer auch in der "Geschichte des Netpherlandes“, die 1967 vom damaligen Amt Netphen herausgegeben wurde. Daneben hat Dr. Weyer zahlreiche Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Für sein
außerordentlich erfolgreiches Schaffen
wurde er im November 1958 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes geehrt. – Die Wirksamkeit, die Dr. Weyer als Vorstandsmitglied des Siegerländer Heimatvereins sowie als Geschäftsführer des Vereins der Freunde und Förderer des Museums entfaltet hat, wird unvergänglich sein.
Nach seiner Pensionierung im Jahre 1956 zog Dr. Weyer aus gesundheitlichen Gründen in sein „Altersparadies“ nach Utting am Ammersee, wo er sich noch täglich von früh bis spät mit heimatgeschichtlichen und theologischen Fragen beschäftigte, das bereits erwähnte Flender-Buch fertigstellte und nebenher an der dortigen Klosterschule den Deutschunterricht ehrenamtlich erteilte.

Ein Schlaganfall im Jahre 1964
und der unbefriedigende Gesundheitszustand seiner Lebensgefährtin Maria geb. Wolfrum, einer bayerischen Pfarrerstochter und früheren Lehrerin, ließen die Übersiedlung in ein Berliner Altersheim notwendig erscheinen, zumal der einzige Sohn auch in Berlin wohnt. Bis zu seinem Tode, der nach einem dritten Schlaganfall in einem Berliner Krankenhaus eintrat, war Dr. Weyer geistig frisch und rege, wie er sich's immer gewünscht hatte. Die Asche dieses um das Siegerland sehr verdienten Mannes ruht im Grabe seiner Mutter in Dreis-Tiefenbach.

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