Der Familien-Name

bei Mersch — Lux

1027. Kirche und Dorf Weyer (Gemeinde Fischbach). Die Kirche von Weyer wurde durch den Prinzen von ... ... auf diese Weise das Dorf, das zum Andenken an den Fund den Namen Weyer annahm. Der Prinz ließ sich eine Gruft unter dem Muttergottesbilde ... ... einen Bittgang nach dem Muttergottesbilde zu Weyer zu halten, um Regen zu erbitten, ein Brauch, der auch ...

 

aus: Revue, Samstag, 8. Mai 1971

Ob von hundert Luxemburgern wohl einer weiß, wo Weyer liegt? Wer es nicht weiß, ist von vornherein entschuldigt. Denn Weyer ist nicht einmal ein richtiges Dorf, sondern nur ein Weiler, zugehörend der Gemeinde Fischbach, und nur aus drei Häusern und einer Kapelle bestehend. Die Häuser sind aus dem 18. Jahrhundert. Die Kapelle ist älter, denn in ihr sind die Wappen der Familien von Schwarzenberg und von Naves zu sehen, und darüber die Jahreszahl 1613. Wann sie erbaut wurde, und ob dies etwa schon früher geschah, steht nicht fest.

Aber über die Entstehung des Dorfes gibt es eine Sage, der zufolge die Schwester des Prinzen von Schwarzenberg, der vor etwa 800 Jahren auf dem Schloß von Fischbach wohnte, auf einem Spaziergang, eine halbe Stunde unterhalb Fischbach, einen Weiher angetroffen habe, in welchem sie ein Muttergottesbild gefunden habe. Ihr Bruder, ein sehr frommer Mann, habe an dieser Stelle eine Kapelle bauen lassen, in welcher die Madonna aufbewahrt worden sei. Nach und nach hätten sich um diese Kapelle Leute aus der Umgegend angesiedelt, zumal, da der Prinz von Schwarzenberg die Kolonie begünstigt habe, und es sei ein Dorf entstanden, welches zum Andenken an den Fund den Namen »Weyer« angenommen habe. Der Prinz habe sich eine Gruft unter dem Muttergottesbild bauen lassen, und er sei auch dorthin begraben worden. Er habe dem Dorf mehrere schöne Waldungen geschenkt.

Zugleich sei der Gebrauch aufgekommen, einen Bittgang von den umliegenden Ortschaften nach Weyer zum Muttergottesbilde zu halten, um Regen zu erflehen. Es liegen Quellen vor, daß solche Bittgänge noch Ende des vorigen Jahrhunderts stattfanden, ja, es wird berichtet, daß sogar noch zu Beginn des Ersten Weltkrieges Bittprozessionen von Fischbach zur Kapelle gingen, und daß dann dort eine Messe gelesen wurde. Ob allerdings der Graf von Schwarzenberg in der Kapelle beigesetzt wurde, ist fraglich, denn wohl wurden Gräber und wurden Teile von Skeletten unter ihrem Boden gefunden, aber sie lagen in einer derartigen Unordnung, daß sie wahrscheinlich einmal einfach hineingeworfen wurden, nachdem sie vorher an einer andern Stelle begraben waren, vielleicht auf dem Friedhof, der sich einst an die Kapelle anschloß und an dessen Stelle jetzt ein Schuppen steht. Auch die Kapelle hätte man vor kurzem eher als einen Schuppen angesprochen denn als ein Gotteshaus. Denn als 1799 der Grundbesitz der Kapelle versteigert worden war, fehlte es an den Mitteln, sie zu unterhalten. Sie verkam immer mehr, ihr Mobiliar wurde nach und nach verkauft, bis auf die drei Altäre. Aber auch diese sollten nicht erhalten bleiben, nachdem amerikanische Truppen im Zweiten Weltkrieg die übriggebliebenen Beichtstühle und Bänke verheizt hatten. Denn der Altar wurde ins Priesterseminar auf Limpertsberg gebracht und ist seither verschollen.

Als es beinahe zu spät war, wurde die Kapelle vor dem Verschwinden gerettet. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg baufällig, und die Fischbacher Gemeindeverwaltung hatte schon beschlossen, sie der Versicherung wegen abzureißen, als der damalige Pfarrer von Fischbach, Manderscheid, sich ins Zeug legte und bewirkte, daß die Commission des Sites et Monuments sich die Sache einmal ansah. Es wurde dann beschlossen, die Kapelle zu erhalten, aber unter Denkmalschutz wurde sie nicht gestellt, und die Mittel, sie zu restaurieren, flössen und fließen reichlich spärlich. So daß der heutige Pfarrer von Fischbach, Camille Minette, eine Gruppe Jugendlicher zu mobilisieren wissen mußte, damit vorerst die unbedingt notwendigen Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden konnten. Wir haben die Kapelle von Weyer mit Pfarrer Minette besucht. Von Baufälligkeit keine Spur mehr, wenn auch der kleine Glockenturm mit seinem bimmelnden Glöckchen etwas schief hängt. Im Innern steht ein fahrbares Stahlgerüst, von dem aus der Stein gesäubert wird, wobei darauf geachtet wird, daß Wertvolleres, wie z. B. die Wappen von Schwarzenberg, von Naves, von Barbanson und von Schauwenburg im Chor, erhalten bleibt. An die Gewölbe wagt man sich schon gar nicht weiter heran, da es immerhin möglich ist, daß dort unter der Mörtelschicht noch Fresken freigelegt werden könnten. Die Statuen, die sich in der Kapelle befanden, kamen zum Glück schon in den dreißiger Jahren in Sicherheit. Es sind dies eine gotische Muttergottesstatue und eine Muttergottespuppe, die sich jetzt im Staatsmuseum befinden, sowie eine Muttergottesstatue aus Stein, die in einer Nische über dem Kapelleneingang stand und die jetzt Pfarrer Minette in Verwahr hat. Bei ihm im Pfarrhaus befindet sich auch ein hölzerner Opferstock, während zwei Lespulte, die 1904 verkauft worden waren, in der Kirche von Junglinster zu sehen sind. Das dürfte alles sein, was von dem Inventar der Kapelle erhalten ist.

Aber die freiwilligen Renovierer, die jetzt in Weyer am Werk sind, werden schon ihre Pläne haben, wie sie die Kapelle neu einrichten wollen. Mit staatlicher Hilfe wird nicht stark zu rechnen sein. Da könnte das nächste Fischbacher Dorffest schon ergiebiger sein. Um die Kapelle stehen die drei Häuser des Weilers. Der Ausdruck Häuser ist wohl nicht der richtige, denn es sind schmucke, geräumige, alte Gehöfte, die hier abseits des großen Verkehrs in den Wiesen zwischen den Wäldern liegen. In einem der drei wohnt die älteste Einwohnerin der Gemeinde Fischbach, Madame Catherine Gansen-Lehnen, die ihren 91. Geburtstag feierte. Mit Pfarrer Minette und Bürgermeister Nie. Rauch, der in Angelsberg wohnt, haben wir sie besucht, und es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte ihr Gläschen mit uns getrunken. So vital ist sie noch.

Überhaupt scheint alles hier voller Vitalität zu sein. Da sind zum Beispiel die erstaunlich vielen Kinder. Es stellt sich allerdings heraus, daß sie nicht alle in Weyer wohnen, sondern daß ein paar von ihnen vom benachbarten Plankenhof und aus anderer naher Umgebung herübergekommen sind, weil es hier in Weyer so herrliche Reitgelegenheit für sie gibt. Herr Jean Kolber, der auf einem der drei Höfe wohnt, züchtet nämlich Pferde und gehört sogar dem Vorstand des Studbook luxembourgeois du Cheval de Sang an. Doch die Pferde sind nicht die einzigen Tiere, an denen die Kinder ihre Freude haben. Da gibt es eine ganze Familie von Zwergziegen, und einen ulkigen weißen Ziegenbock mit herrlichen Hörnern, der ganz scharf auf Zigaretten ist. Und natürlich auch Hunde in allen Größen und Schattierungen. Ein Kinder- und Tierparadies auf dem Land, wie man es fast nur aus Filmen kannte, die man kitschig glaubte und verlogen.

Das Gehöft Camille Braun, über dessen Haustür die Jahreszahl 1729 mit den Namen Michels Nehw und Anna Engeln zu lesen ist, hat einen selten schönen verwölbten Hausgang und eine Küche mit Bogen, und über dem Eingang des Gehöftes Gänsen ist die Jahreszahl 1780 neben dem Namen Laurentius Zettinger zu sehen. Auch das Gehöft, in dem die Familie Kolber wohnt, dürfte aus dem 18. Jahrhundert stammen, wie auf dem überdachten Wegkreuz auf dem Weg zum Einhaus- Ort Stuppich die Jahreszahl 1773 mit dem Namen Peter Kahn steht. Es ist also alte Bauernkultur, die hier in Weyer erhalten blieb, was ja nun nicht ausschließt, daß die Hofbauern Auto und Traktor fahren und ihre Kühltruhe haben.

Was wäre sonst noch von Weyer zu berichten? Etwa, daß in der Nähe das geheimnisvolle Felsrelief der Häerdcheslee zu sehen ist und nicht weit davon das, was vom wohl ersten Hochofen des Landes blieb, daß der Staat in der Gegend Forellen züchtet, und daß kein Touristenpfad durch den idyllischen Weiler führt, so daß es nur Eingeweihten vorbehalten ist, seine Schönheiten zu kosten. Und das haben wir ausgiebig getan, bereuen es nicht, und nahmen uns vor, es nicht bei diesem Besuch bewenden zu lassen. 

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