Georg(ely)
W E Y E R

Artikel, aus: Luxemburger Wort vom 28. November 1985

Herzlichen Dank an Jean-Paul Weyer, Diekirch, Lux.,
für alle Scans und Infos dieser Seite.

Ein anderer fahrender Sänger aus Grevenmacher: »de Georgely« (Georges Weyer). Dieses Photo wurde bis jetzt nicht veröffentlicht und stammt aus der Privatsammlung von Jean Welter.

aus: Luxemburger Wort vom 28. November 1985

Georg WEYER

Ein letztes Wort soll einem anderen fahrenden Sänger aus Grevenmacher gelten, der zudem ein Zeitgenosse Anton Wagners war. Es handelt sich um den zwergwüchsigen, sehschwachen Georg Weyer, allgemein bekannt unter dem Namen: „DE GEORGELY“. Geboren war Georgely am 13.10.1848 in Grevenmacher. Er starb am 13.2.1924 im Alter von 75 Jahren im Rhamhospiz. Besonders zur Zeit der Schobermesse und des „Oktavmärtchen“ konnte man Georgely in der Hauptstadt antreffen. Dort spielte er, wie Franz Schwab in einer ausführlichen Biographie über Georgely in der Nummer 6 (1975) von „Eis Sprooch zu berichten weiß, auf einer „Lantermajhik“, die ihm Großherzogin Marie-Adelheid geschenkt hatte.

Jean Welter

Auf den Spuren des „GEORGELY“
(Georg Weyer, 1848–1924)

Zu einer Zeit, als es für physisch und geistig benachteiligte Mitbürger kaum organisierte Unterstützungsmöglichkeiten gab, als der Zugang zu öffentlichen Gebäuden, Verkehrsmitteln und Veranstaltungen von den Behinderten nur sehr schwer zu bewältigen war (und zum Teil noch heute ist), zu jener Zeit also waren die Schicksale und die Lebenskraft unserer weniger begünstigten Zeitgenossen umso beachtenswerter.

Aus Grevenmacher kennen wir den „Blannen Theis“ (Mathias Schou, 1747-1824), den „Blannen Poully“ (Johann Gelhausen, 1811-1874), sowie dessen Sohn, den „Kaatzepoully“ (Batty Gelhausen,1854-1896). (1) Die genauen Lebensgeschichten dieser beiden Letztgenannten bleibt übrigens noch zu erforschen.

Für diesmal wollen wir uns mit dem randbekannten „Georgely“ (Georg Weyer) etwas näher beschäftigen. Im Laufe der Zeit konnten wir über ihn eine Reihe von Zeugnissen, Dokumenten und Bildern zusammentragen, die wir hier veröffentlichen.

Aus dem Jahre 1900 ist in der Familie Weyer in Grevenmacher bis heute ein handgezeichneter Stammbaum erhalten, der die Verzweigungen und Verästelungen der „Weyer“ etwa ab 1700 festgehalten hat. Stammvater dieses „Clans“ war Weyer Laurent († Grevenmacher 8.9.1780), verheiratet mit Elise Baltzer. Der Vater unseres „Georgely“ stammt in der 3. Generation von diesem Weyer Laurent ab: Es war Johann-Baptiste Weyer, geboren am 19.10.1816, gestorben am 1.12.1897. Er heiratete am 27.4.1841 Jeanne Flander, geboren am 18.10.1818, gestorben am 12.11.1887.

Aus dieser Ehe entstammen 9 Kinder:

  1. Margaretha Weyer, * 5.8.1843. Sie trat in einen Schwesternorden ein und starb am 18.2.1936.

  2. Johann-Baptiste Weyer, geboren am 19.10.1844, verheiratet mit Maria Haal am 30.7.1873. Aus dieser Ehe entstammen 4 Kinder, von denen es heute noch Nachkommen gibt.

  3. Georg Weyer (unser „Georgely“), auf den wir ja noch zurückkommen werden.

  4. Johann Paul Weyer, geboren am 18.11.1849.

  5. Anna Weyer, geboren am 16.5.1853.

  6. Franz Weyer, geboren in Grevenmacher am 8.11.1855, gestorben am 30.9.1931, verheiratet im Januar 1883 mit Elisabeth Bongertz (12.9.1850 – 20.6.1929). Aus dieser Ehe entstammen Kinder deren Nachkommen zum Teil heute noch in 1., 2. und 3. Generation in Grevenmacher wohnen.

  7. Elise Weyer, geboren am 26.6.1858.

  8. Anna Weyer, geboren am 3.10.1860.

  9. Heinrich Weyer, geboren am 11.1.1864.

Alle Angaben dieses Abschnittes sind dem erwähnten Stammbaum entnommen, der teilweise nach 1900 bis in unsere Zeit von verschiedenen Händen ergänzt wurde. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, um näher auf diesen interessanten Stammbaum einzugehen. Viele dieser (männlichen) Mitglieder der Familie waren „Wäisserten“, also Maler oder Anstreicher, zum Teil bis heute.


Die Geburtsurkunde des Georg Weyer

Georg Weyer, genannt „de Georgely“ oder gelegentlich „Schorscheli“, oder „Schorschelchen“ kam also am 13. Oktober 1848 in Grevenmacher zur Welt. Hier der genaue Wortlaut seiner Geburtsurkunde:

Im Jahre tausend achthundert acht und vierzig, den dreizehnten des Monats Oktober, um zehn Uhr des Morgens ist, vor uns Johann Baptiste Knaff, Schöffe, Beamter des Civilstandes der Gemeinde von Grevenmacher, Kanton von Grevenmacher im Grossherzogtum erschienen Catharina Dupont, alt dreissig zwei Jahre, Hebamme, wohnhaft in dieser Gemeinde, welche uns ein Kind männlichen Geschlechts vorzeigte, erklärend, dass es von Angelique Pfänder, ohne Gewerbe, alt dreissig Jahre, Ehefrau von Johann Baptiste Weyer, Weisser, alt dreissig zwei Jahre, Eheleute dahier, heute Morgen um drei Uhr geboren sei, und welchem sie den Vornamen Georg geben zu wollen erklärt hat.

Weiche Erklärung und Vorstellung in Gegenwart des Johann Carl Ritter, alt dreissig sechs Jahre, Sekretär, und des Nicolas Bleser, alt dreissig Jahre, Stadtbote, die in dieser Gemeinde wohnhaft sind, Statt gehabt haben; und haben alle den Gegenwärtigen Geburts-Akt, nachdem er ihnen vorher vorgelesen worden ist, mit uns unterschrieben.

(Unterschriften)
Bleser   ·   Cätherine Duftont
Ritter   ·    Dr Knaff

Franz Schwab, der bisher ausgiebigste Biograph des „Georgely“, fügt hinzu, dass er „zu Grevenmacher um Eck, rue des Bateliers, genannt ,Stoud' bei der Muselbréck gebuer (gouf)“ … Dee selwechten Dag gouf hien an der Porkiirch gedeeft an an d'Dafbuch ageschriwwen." (2)

Es ist anzunehmen, dass Georg Weyer, trotz seiner Behinderung, die Primärschule von Grevenmacher besucht hat. Leider sind die Schulregister aus dieser Zeit nicht erhalten, oder sie konnten noch nicht ausfindig gemacht werden.

Über die „Behinderung“ des „Georgely“ gibt es einige Ungereimtheiten. So wird erzählt, dass der kleine Georg als Säugling aus dem Kinderwagen gefallen sei, was die Ursache seines Zwergwuchses gewesen sei. Die älteste Schwester Margaretha, welche angeblich die Aufsicht aber das Knäblein hatte, soll später, aus Gram über ihr Missgeschick ins Kloster eingetreten sein. Diese Ursache des Zwergwuchses ist aber kaum zutreffend. (3), (4).

Des öfteren wird angeführt, dass Georgely, etwa im 2. Lebensjahr, durch die sogenannte „Englische Krankheit“, die Rachitis, im Wachstum zurückgeblieben sei. Die Rachitis, eine früher stark verbreitete Krankheit, ist auf Mangel an Vitamin D, zusammen mit unzulänglichen Wohn- und Aufenthaltsbedingungen zurückzuführen. (2), (4).

Anderswo steht geschrieben, dass Georgely „klein und verkrüppelt zur Welt kam“ (5), oder man nennt ihn den „verhunzelt geborene Schorschli aus Grevenmacher''. (6)

Ansichtskarte

Georg Weyer,

geboren im Jahre 1848 zu Grevenmacher,
Grossherzogtum Luxemburg,
während 7 Jahren mit Gicht behaftet und
während 18 Jahren mit Blindheit geschlagen
und dabei in keinem Besitz von Vermögen.

Der schon zitierte Franz Schwab äußert sich dazu noch einmal und schreibt: „An den Chronisten von Radio Luxemburg. – In Ihrer Chronik über die ,Fouer' am Samstag, dem 20. August 1977, abends um 8 Uhr, sagten Sie u.a., de Georgely von Grevenmacher sei als Krüppel zur Welt gekommen. Das stimmt in keiner Hinsicht. Georgely … wurde als ganz normales Kind geboren. Erst in seinem 2. Lebensjahr wurde er von der ,Englischen Krankheit' befallen, wodurch er im Wachstum zurückblieb und krüpplich wurde…" (7)

Auch über die tatsächliche „Größe“ des Georgely bestehen Unstimmigkeiten. Franz Schwab schreibt: „De Georgely war nemme 85 cm grouss a wor deemools de klengste Mensch vun der Welt“ (2), was ihm dann auch das Attribut „Liliputaner“ einbrachte (5).

Auf einer seiner Postkarten steht: Größe: 90 ctm, Grandeur 90 ctm, auf einer anderen wiederum: Höhe 85 cm.

Weiterhin steht auf einer Postkarte: er war „während 7 Jahren mit Gicht behaftet und während 18 Jahren mit Blindheit geschlagen“ oder „fast gänzlich erblindeter Krüppel (Paralythique presqu'aveugle)“. Über diese Blindheit berichtet Franz Schwab: (Zitat aus dem „Luxemburger Wort" vom 18. Februar 1924):

„Er verlor als siebenjähriger das Augenlicht, das er jedoch als 25-jähriger durch einen chirurgischen Eingriff zurückerlangen konnte“ und etwas weiter steht: ,,Zou desem Artikel äs ze soen, datt no enger Schreftkcher Ausso vu sengem Neveu, de Georgely nie blann war, hien huet schlecht gesin, wuerfir hien am Alter e Brell huet missen droen". (2)

Und was soll man von dieser Behauptung halten: „Der kleinste und älteste Greis der Welt“ (Aufschrift auf einer Postkarte). – Ein Guiness Buch der Rekorde gab es damals noch nicht.

Der Grevenmacher Arzt Dr. Marc Mangen konnte, auch nach Befragung von verschiedenen Fachkollegen, auf Grund des vorhandenen Bildmaterials, keine eindeutige Diagnose seiner Missbildung stellen. Ob Nanismus (angeborene oder durch Entwicklungsstörungen entstandener Zwergwuchs) oder die Folgen einer frühen Rachitis die Ursache der Missbildungen waren, kann also nicht eindeutig geklärt werden.

Da es zu Lebzeiten des Georgely kaum oder ungenügende öffentliche Unterstützung für Behinderte gab, musste er sich also, wie auch immer, selbst durchs Leben schlagen, und so wurde er Drehorgelmann.

Drehorgeln sind trag- oder fahrbare Kleinorgeln, die es heute noch gibt. Die das Spiel mechanisch bewirkende Stiftwalze (oder ein Lochstreifen), wird durch eine Handkurbel bewegt; dadurch wird auch die Windzufuhr aus den Bälgen geregelt. Das Betätigen einer Drehorgel bedarf keiner Musikkenntnisse oder sonstiger Fähigkeiten, lediglich das regelmäßige Drehen der Kurbel ist erfordert. Außer der auf (auswechselbaren) Walzen oder Lochstreifen aufgezeichneten Melodien sind deshalb auch keine anderen als die programmierten Musikstücke zu spielen. Das Repertoire beschränkt sich also auf die vorhandenen Tonträger. Die deutsche Bezeichnung „Leierkasten“ kann damit zusammenhängen,

dass die Drehorgel als Bettlerinstrument der Drehleier folgte und dass leiern im Volksmund soviel bedeutet wie drehen. Die französische Bezeichnung „orgue de Barbarie“ stammt wahrscheinlich von einem italienischen (Dreh-)OrgelherstelIer Gio Barberi, der um 1700 lebte. (8, S. 80) Auf luxemburgisch finden wir den Namen „Lantermajhik“ und dazu den „Lantermajhiksmännchen“, gelegentlich auch „Turlatäin“. (9)

Da Drehorgeln relativ empfindliche Instrumente sind, ist es wohl öfters vorgekommen, dass an der Walze oder am Lochstreifen, am Gebläse oder an den Pfeifen oder der Windlade Schäden auftraten, einzelne Töne ausfielen, was dann zu etwas asthmatischen, wehmütigen, lückenhaften Melodienfolgen führte.

Georgely besaß nacheinander wenigstens 3, wenn nicht noch mehr verschiedene solcher Instrumente, die entweder auf einem Kinderwagengestell aufmontiert waren oder schon von Haus aus mit Rädern versehen wären. Georgely schob sein Instrument entweder mühselig vor sich her, oder er ließ sich dabei von einem Hund als Zugtier unterstützen (siehe Anzeigen). (10)

Das erste nachweisbare Instrument war eine „französische Drehorgel mit zwei Walzen, 16 hübsche Stücke spielend und 70 Pfund wiegend“. (10) Um welches Fabrikat es sich dabei genau handelte, konnte nicht ermittelt werden. Über das zweite (?) bekannte Instrument schreibt Franz Schwab: „D'Lantermajhik mat däer hie Musek gemaacht huet, krit hie vun der Großherzogin Marie Adelheid geschenkt. Si koum vu Sachsen an et wor eng „Klingelthal“. (2) Auf einer Abbildung einer anderen Orgel lesen wir die Aufschrift: „Sächsische Revolver-Orchestrion Fabrik F.O. Glass - Klingenthal“. (8, S. 82) Klingenthal ist eine Kreisstadt im Bezirk Chemnitz an der Tschechoslowakischen Grenze, sowie ein Landkreis mit demselben Namen. Das Fabrikat ist also eine „F.O. Glass“ Orgel aus (dem) Klingenthal gewesen. Wann und wo Georgely seine Drehorgel von der Großherzogin Marie Adelheid (sie regierte von 1912 – 1919) bekam, ist nicht bekannt.

Das dritte (?) Instrument stammte von „Ignaz Bruder & Söhne, Waldkirch“ (im Schwarzwald), wie wir auf einer seiner Postkarten entziffern können. Dieser Familienbetrieb stellt während mehrerer Generationen, bis 1933, Drehorgeln her. (8, S. 90)

Hartnäckige Gerüchte wollen immer wieder wissen, wenigstens eines dieser Instrumente befände sich noch in Grevenmacher. Wir lesen darüber bei Franz Schwab: „Nach bis virum 2. Weltkrich stong d'Lantermajhik an engem Haus an der Groussgaass beim Spidol zu Greiwemaacher." Hartnäckige Dementis wollen jedoch nichts davon wissen, so dass das Geheinmis weiter besteht…

Unser Spielmann besaß einen ausgesprochenen Geschäftssinn; er pflegte das, was wir heute „Public relations“ nennen würden. Er inserierte in der „Obermoselzeitung“ und im „Luxemburger Wort“, ob auch in anderen Tageszeitungen Anzeigen von ihm erschienen, ist nicht belegt.

Wenigstens 4 Postkarten hat er von sich herausgegeben und verkauft, die wir als Illustration zu diesem Artikel reproduzieren; ob er auch Handzettel mit Titeln und ggf. den Texten zu seinen vorgezeichneten Melodien verkauft hat, wäre möglich, davon ist aber nichts bekannt.

Georgely zog also mit seinem Musikkasten (und zeitweilig mit einem Hund) über Land, Vorzugshalber dorthin, wo „etwas los“ war, zur Schobermesse, zum Oktavmärktchen, zu Kirmessen, Märkten, vielleicht auch zu Hochzeiten usw. Belege dazu finden wir in mehreren Beiträgen. (2) (5)

Hier davon ein Zitat: „Der ambulante Drehorgelspieler hatte, während der Oktave, seinen Stammplatz unten bei der Treppe zum Wilhelmsplatz. Zur ,Schueberfouer'-Zeit stand er an der linken Parkseite (gegenüber dem Pescatorestift) der Neutoravenue, entlockte seiner ,Turlatein' einen alten Soldatenmarsch und bat um ein Almosen.“ Anzeige aus dem „Luxemburger Wort“, August 1909

Jos Hess schreibt: „Etwas abseits vom Getriebe der Schobermesse, damit er nicht zertreten werde, hatte sich der verrunzelt geborene Schorscheli aus Grevenmacher mit der Drehorgel aufgestellt und quetschte piepsende Musik aus seinem Kasten." (6)

Bei Jacques Kintzele haben wir folgende Zeilen gefunden:

„De Jorschli könnt vu Maacher
Matt senger Turlatein,
E spillt di sche'inste Saachen
Aus Frankreich bis zum Rhein." (11)

Die Szene spielt auf dem einst sehr bekannten „Rieder Maart“ von Roodt/Syr, den es heute nicht mehr gibt.

Aber auch nebenher tauchte der Leierkastenmann in verschiedenen Ortschaften auf, zog durch die Straßen und bat um eine milde Gabe, wie es eine Fotokarte bezeugt, die am 6.8.1912 von Rodange aus an den Vater des Autoren abgeschickt wurde.

Bei seinen Fahrten von Ortschaft zu Ortschaft hat Georgely wohl meistens die Eisenbahn benutzt, wie wir es auch mit einem Bild vom Grevenmacher Bahnhofbelegen können, wobei ihm wohl hilfreiche Mitreisende oder freundliche Beamte beim Be- und Entladen seines Instrumentenwägelchens beistehen mussten.

Georgely war ein beliebter, gern gesehener Spielmann, der besonders gern von Kindern bewundert wurde. Zu den vielen Geschichten, die immer wieder über ihn verbreitet wurden, gehört auch das Gerücht, dass er auf seinen Drehorgelzügen erheblichen Reichtum angehäuft habe. Er selbst hat das des öfteren bestritten und es ist auch sonst nicht glaubwürdig belegt. Im Gegenteil. Zu Ende seines Lebens landete er, im Alter von 75 Jahren, am 25. Januar 1924 auf dem Rhamhospiz, wo er schon am 13. Februar 1924 verschied…

Im Delibrationsregister des Gemeinderates der Stadt Grevenmacher vom 4. April 1924 lesen wir folgende Eintragung:

Hilfsdomizil Georg Weyer:
Der Gemeinderat,
Nach Einsicht eines Schreibens des H. Distriktskommissars, vom 5. Februar letzthin, in welche der Gemeinderat aufgefordert wird, sich über den Hilfsdomizil des Dürftigen Georg Weyer, Drehorgelspieler, geboren in Grevenmacher, den 13. Oktober 1848, ledig, Sohn von Johann Baptist Weyer und Anna Flander, zuletzt wohnhaft zu Esch a/Alz., auszusprechen, der am 25. Januar 1924 auf Ersuchen der Stadtverwaltung von Esch im Rhamhospiz aufgenommen worden ist;
Nach Einsicht eines weiteren Schreibens des H. Distriktskommissars vom 22. Februar, gemäß welchem Georg Weyer am 13. Februar 1924 im Rhamhospiz verstorben ist;
Nach Einsicht des Gesetzes vom 28. Mai 1897 über den Hilfswohnsitz;
Beschließt einstimmig die Stadt Grevenmacher als Hilfswohnsitz des genannten Georg Weyer anzuerkennen und die Liquidierung der Unterhaltskosten auf den Fonds für Kommunalausgaben zu beantragen, vorbehaltlich der Beteiligung des Staates gemäß den Bestimmungen des vorerwähnten Gesetzes.
Also beschlossen, Datum wie Eingangs.

Franz Schwab konnte keinen Beleg aus Esch/Alzette auftreiben: „Op sengem Doudeschäin steet als Beruff ,Musiker', an e wir vun Esch/Uelzecht komm. Op meng Ufro hin bei der Stad Esch, krut ech matgedeelt, datt weder eng Un- nach eng Ofmeldung vum Georg Weyer an der Stad Esch viirleig." (2)

Der Tod von Georges Weyer wurde arn 18. Februar 1924 im „Luxemburger Wort“ in einem Artikel angekündigt, der die Hauptdaten wiederbringt, sowie am 19. Februar 1924 in der „Luxemburger Zeitung“, sowie im „Luxemburger Tageblatt“ mit jeweils demselben Artikel.

Somit wären wir am Ende unserer Spurensuche. Georgely war ein vom Schicksal schwer geprüfter Mann, der sich mit viel Lebensmut und Entschlossenheit durchkämpfte, beliebt bei Jung und Alt, gelegentlich von nebeligen Geschichten umworben, der es verdient, dass man seiner noch einmal gedenkt. Falls wesentliche, ergänzende Dokumente dem Autoren entgangen sind, wäre dieser dankbar auf diesbezügliche Hinweise.

Zum Schluss sei noch eine Anregung gegeben: Könnte man nicht „op der Breck“ in Grevenmacher, also in der Nähe des Geburtshauses des „Georgely“ ein bronzenes Standbild im Stile des „Blannen Theis“ aufstellen? Vielleicht findet sich eine Sponsoren- und Interessegemeinschaft, die das Vorhaben verwirklichen könnte. Zugleich befände sich dadurch an allen strategisch wichtigen Punkten der Fußgängerzone jeweils ein auf Grevenmacher bezogenes Standbild…

Bibliographie zum „Georgely“


(1) WELTER, Jean: „Auf den Spuren des Blannen
Theis“ Gemeindeverwaltung Grevenmacher 1991,
126 S ill.

(2) SCHWAB, Franz: „De Georgely“, in „Eis Sprooch" No 6/1975 S. 31-33, ill.

(3) Mitteilung von Fr. WEYER, einer Großnichte des Georg Weyer

(4) SCHWAB, Franz: „Noch einmal Georgely“ im „Luxemburger Wort“

(5) K.M.: „De klenge Georgely vu Greiwemaacher“ im „tageblatt“ vom 1.9.1990

(6) HESS, Jos.: „Retrospektive zur Schobermesse“ in „Die Schobermesse, so war sie früher“ Editions Borschette, 1992 S. 60

(7) SCHWAB, Franz: „Georgely wurde normal geboren“ im „Luxemburger Wort“ vom 27.8.1977

(8) BUCHNER, Alexander: „Mechanische Musikinstrumente“ Verlag Werner Dausien, Hanau/Main 1992 243 S. ill.

(9) Luxemburger Wörterbuch, Band III (S. 13) Band IV (S. 356)

(10) Obermoselzeitung, verschiedene Ausgaben.

(11) KINTZELE, Jacques: „Di siwe Joffren am laange Muer“ Verlag vum Verfaasser, Dréckerei Paul Faber, Grevenmacher S. 36

Andere, im Text nicht zitierte Hinweise auf den Georgely

(12) -drauffelter Zeitung Regional Kulturzäitschreft fir d'Gemeng Munzen an de Kiischpelt
Enthalt etliche Beiträge über Leierkastenmänner sowie den zitierten Artikel von Franz Schwab aus „Eis Sprooch“

(13) A.Z. Nr 35 vom 29. August 1937
Enthält ein Bild (Postkarte) von Georgely

(14) Ettelbruck 1780-1980: „200 Jahre Marktgeschehen“
enthält S, 152 ein Foto Thibor, Archiv L.W. „De
Georgely mit seiner «Lancermajhik»“

(15) WELTER, Jean: „Grevenmacher im Spiegel des Kulturschaffens“ in: „Lycée Technique Joseph Bech 1969-1989“
Offset Moselle s. à. r. l. anc. Faber L-6758 Grevenmacher 1990 120 S. ill. Art. S. 87 -119. (Hinweis auf Georg Weyer S. 88-89)


Quelle: Escher Tageblatt, 19. Februar 1924, www.bnl.lu

aus: Eis Sprooch 6 (1975)

Franz Schwab

... Georgelys Stammbaum fängt an beim Ur-Ur-Großvater im Jahre 1700. Alle sind in Grevenmacher geboren:

Laurent Weyer, † zu Grevenmacher am 8. September 1780, seine Frau war Elise Baltzer

Marc Weyer, † 20. Februar 1808, verheiratet mit Margaretha Dietz am 20. Januar 1781. Diese starb am 29. April 1807.

Peter Weyer, * 26. Februar 1786, verheiratet mit Angelika Schneider.

Quelle: Obermosel-Zeitung, 15. März 1895, www.bnl.lu

Esch a. Alz., 20. Okt. Auf bei Landstraße Esch—Schiff
lingen wurde der bekannte Drehorgelspieler Georg Weyer,
vulgo „Jorschli" aus Grevenmacher von einem 11jährigen
Buben gefragt, wieviel Uhl es fei. Freund Jorschli zog
darauf seinen Zeitmesser hervor. Der Bube entriß Weyer
die Uhr und nahm Reißaus. Das nette Pflänzchen konnte
späterhin ermittelt werden. Es ist der elfjährige K. aus
Neudorf bei Esch. Man fand die Uhr bei ihm vor.
Quelle: Luxemburger Wort, 20. Oktober 1909, www.bnl.lu

Quelle: Obermosel-Zeitung, 13. Oktober 1891, www.bnl.lu

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