Georg Daniel Eduard
W E Y E R

[aus: Astronomische Nachrichten, Band 142, Febr. 1897]

Todes-Anzeige

für

G. D. E. Weyer

von
H. Kreutz

siehe auch:

Todes-Anzeige.

Am 23. Dec. v. J. starb plötzlich an einem Herzschlage der ordentliche Professor für Mathematik und Astronomie an der Universität, Geh. Regierungsrath Dr. Georg Daniel Eduard Weyer in Kiel.

Geboren in Hamburg am 26. Mai 1818 als Sohn eines Schiffscapitäns, war Weyer von 1839 bis 1850, mit Ausnahme seiner Studienzeit, die er in Berlin verlebte, an der Sternwarte seiner Vaterstadt, zuerst als Rechner und später als Assistent thätig. Als Rechner hat er in umfangreichem Masse an der Fertigstellung des Rümker'schen Fixsterncatalogs theilgenommen; am Repsold'schen Passageninstrument beobachtete er die helleren Planeten, sowie mehrere Jahre hindurch die Rectascensionen des Mondes und der Mondsterne. Nebenbei unterrichtete er an der damals noch mit der Sternwarte verbundenen Navigationsschule.

Im Jahre 1851 folgte Weyer einem Rufe als Lehrer an die Seekadettenschule der schleswig-holsteinischen Marine in Kiel. Auch als letztere bald darauf aufgelöst wurde, blieb er in Kiel, habilitirte sich 1852 als Privatdocent an der Universität und wurde schon im nächsten Jahre zum ausserordentlichen, 1859 zum ordentlichen Professor an derselben ernannt. Ausserdem war er mehr als zwei Jahrzehnte an der 1873 gegründeten Marineakademie als Docent thätig.

Die hervorragendste Bedeutung Weyer's liegt auf dem Gebiete der nautischen Astronomie. Im Jahre 1871 erschienen die auch ins Holländische übersetzten »Vorlesungen über nautische Astronomie«, 1890 die »kurzen Azimuthtafeln für alle Declinationen, Stundenwinkel und Höhen der Gestirne auf beliebigen Breiten«, ausserdem von 1879 an zahlreiche Aufsätze über nautische Probleme in den Annalen der Hydrographie.

Die ersten rein astronomischen Arbeiten betreffen die definitive Bestimmung der Bahn des Cometen 1849 II (1852), sowie die Differentialformeln für Cometenbahnen von grosser Excentricität mit Berücksichtigung der planetarischen Störungen (Inauguraldissertation und Habilitationsschrift, 1852). Hieran schliesst sich eine grössere Zahl kleinerer Aufsätze in den Astr. Nachr., von denen hier nur die folgenden erwähnt werden mögen:

Auf dem Gebiete der reinen Mathematik erschienen u. A.

In dem letzten Jahrzehnt war Weyer viel mit erdmagnetischen Rechnungen beschäftigt, worüber er mehrfach in den Annalen der Hydrographie und den Astr. Nachr. berichtet hat.

Charakteristisch für ihn war die eingehende Kenntniss der Geschichte der Astronomie und Mathematik, wie er auch in seine sämmtlichen literarischen Arbeiten geschichtliche Notizen einzustreuen liebte.

Weyer gehörte zu den stillen Gelehrten, die unbekümmert um die Aussenwelt ausschliesslich ihrer Wissenschaft leben. Sein einfaches, bescheidenes Wesen, die in seinem ganzen Auftreten sich offenbarende Herzensgüte konnten ihm nur Freunde erwerben; sein Tod hinterlässt bei seinen Collegen an der Universität und an der Kieler Sternwarte eine Lücke, die noch auf lange Zeit hinaus schmerzlich empfunden werden wird.

H. Kreutz.

(c) www.weyeriana.de · Letzte Änderung: 31. Dezember 2009